Erkrankungen der Augenlider

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Augenliderkrankungen

Fehlerhafte Lidstellung

Krankhafte Veränderungen der Lidstellung finden sich als Kolobom sowie als aus- beziehungsweise einwärts gewendete Ober- oder Unterlidkante, die Ektropium oder Entropium des Ober- oder Unterlids genannt werden. Ein Entropium kann zu einer Trichiasis, einer Fehlstellung der Wimpern mit äußerst unangenehmer mechanischer Reizung der Hornhaut, führen.

Erkrankungen der Lidhaut

Krankhafte Veränderungen der Lidhaut treten als Exanthem oder Ödem auf.
Pigmentstörungen und Fetteinlagerungen erscheinen oft in Form von Xanthelasmen.
Eine Blepharochalase (Erschlaffung des Oberlids) ist eine altersbedingte Veränderung der Lidhaut. Zudem sind die Augenlider anfällig für Infektionen mit Herpes simplex und Herpes Zoster.

Erkrankungen der Liddrüsen

Akute Entzündungen der Zeiss- oder Moll-Drüsen (äußeres Hordeolum) und der Meibom-Drüsen (inneres Hordeolum) werden als Gerstenkorn beschrieben. Die chronische Entzündung der Meibom-Drüsen führt zu einem Chalazion (Hagelkorn).

Lidranderkrankungen

Eine Entzündung des Lidrandes wird Blepharitis genannt und kann unterschiedliche Ursachen haben. Tritt eine Blepharitis in Verbindung mit einer Bindehautentzündung auf, so wird sie als Blepharokonjunktivitis bezeichnet.

Bewegungsstörungen

Bewegungsstörungen der Augenlider treten in Form eines teilweisen oder vollständigen Herabhängens des Oberlides (Ptosis) auf, verbunden mit der Unfähigkeit, das Augenlid normal zu öffnen. Die angeborenen oder erworbenen Ursachen hierfür können sehr unterschiedlich sein.
Im Gegensatz hierzu bezeichnet man eine durch eine Lähmung des Gesichtsnerven hervorgerufene Unfähigkeit, das Augenlid vollständig zu schließen, als Lagophthalmus. Dieses Defizit betrifft auch den Lidschlussreflex.
Ein krampfartiger Verschluss der Augenlider wird Blepharospasmus genannt.
Eine weitere Bewegungsstörung tritt in Form eines unwillkürlichen Lidzuckens auf. Meist ist ein solches Lidzucken zwar störend, jedoch relativ harmlos, selbst wenn es über Stunden oder Tage anhält. Es verschwindet in der Regel von allein. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von mechanischen Reizungen, Ermüdung, Stress, bis hin zu Mineralstoffmangel, insbesondere Magnesiummangel, Alkoholkonsum oder visuelle Belastung. Sehr selten ist eine neurologische Erkrankung die Ursache.

Eine krankhafte Reduzierung der Lidschlagfrequenz ist als Stellwag-Zeichen bekannt und tritt meist in Verbindung mit einer endokrinen Orbitopathie beim Morbus Basedow auf. Ein weiteres klinisches Zeichen der endokrinen Orbitopathie, das sich am Lid manifestiert, ist ein zurückgezogenes Oberlid (Retraktion), was den Eindruck eines starren Blicks erweckt (Kocher-Zeichen).
Hingegen ist ein vermehrter Lidschlag in Form eines häufigen Blinzelns meist das Resultat mechanischer oder entzündungsbedingter Reizungen, wie zum Beispiel ein Fremdkörpergefühl, ein trockenes Auge, darüber hinaus ein Zeichen unwillkürlicher Muskelkontraktionen durch eine nervöse Störung.

Eine relative Überfunktion des Lidhebers mit auffälliger Oberlidretraktion kann sich bei einer paretischen Einschränkung der Blickhebung ergeben. Hierbei wird ein verstärkter Impuls zur Blickwendung des Augapfels nach oben nur unvollständig von dem betroffenen Muskel umgesetzt, wirkt sich dabei jedoch in vollem Umfang auf die synergistische Bewegung des M. levator palpebrae superioris aus, was zu einem abnormen Hochziehen des Oberlides führt.

Fehlbildungen

Zu teils massiven Abnormitäten der Lider kann es beim Treacher-Collins-Syndrom (auch: Franceschetti-Syndrom) kommen, einer erblichen Erkrankung mit Gesichtsfehlbildungen.
Ein besonderes Zeichen beim Down-Syndrom und anderen Erbkrankheiten ist die nasale Lidfalte (Epikanthus), die in der kaukasischen Bevölkerung normalerweise nicht auftritt.
Ablepharie bezeichnet das Fehlen eines Augenlides.
Ein mit zunehmendem Alter auftretendes Erschlaffen des Bindegewebes wird als Schlupflid bezeichnet und in manchen Fällen als kosmetisch unvorteilhaft und deshalb korrekturbedürftig angesehen.

Gewebeerkrankungen

Die Augenlider können von Abszessen, Zysten, Tumoren (z.B. Hämangiome, Karzinome, Basaliome oder Melanome) befallen werden. Weitere Erkrankungen der Augenlider können durch Parasitenbefall entstehen. Lidödeme, Verdickungen des Oberlides oder Lidhämatome können zu einer Pseudoptosis führen.